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Amylin vs Inkretin: Cagrilintid, Eloralintid, Tirzepatid und Retatrutid im Vergleich

✦ Kurz gesagt
Cagrilintid und Eloralintid wirken über den Amylinrezeptor, Tirzepatid und Retatrutid über die Inkretinrezeptoren. Ergebnisse und Verträglichkeit im Vergleich.
Schema: Der Amylinweg und der Inkretinweg führen über verschiedene Rezeptoren zum gleichen ErgebnisAmylin-AchseCagrilintid · EloralintidInkretin-AchseTirzepatid · RetatrutidAmylinrezeptorArea postrema · SättigungGLP-1 · GIP · GlukagonAppetit · Insulin · EnergieverbrauchGeringere Nahrungsaufnahmeuntersuchtes Ergebnis: Gewichtsveränderung

Wer die neuesten Forschungssubstanzen rund um die Gewichtsregulation nebeneinanderlegt, sieht zwei Familien, die häufig in einen Topf geworfen werden. Cagrilintid und Eloralintid wirken über den Amylinrezeptor. Tirzepatid und Retatrutid wirken über die Inkretinrezeptoren. Das sind unterschiedliche Hormonsysteme, mit unterschiedlichen Studiendesigns, unterschiedlichen Ergebnissen und einem auffälligen Unterschied in der berichteten Verträglichkeit.

Diese Seite stellt die vier Substanzen auf Basis veröffentlichter Forschung und Pressemitteilungen der Hersteller nebeneinander. Peplife liefert diese Substanzen ausschließlich als Research Use Only für die Laborforschung. Nachfolgend finden Sie keine Dosierungsempfehlung und keine medizinischen Informationen.

Zwei Hormonsysteme, zwei Wege

Amylin ist ein Hormon, das die Betazellen der Bauchspeicheldrüse nach einer Mahlzeit zusammen mit Insulin abgeben. Es wirkt vor allem auf die Area postrema im Hirnstamm, verlangsamt die Magenentleerung und hemmt die Freisetzung von Glukagon. Amylinanaloga ahmen dieses Signal nach und binden an den Amylinrezeptor, je nach Substanz auch an Calcitoninrezeptoren.

Inkretine sind Darmhormone. GLP-1 und GIP werden nach einer Mahlzeit aus der Darmwand freigesetzt und verstärken die glukoseabhängige Insulinausschüttung, während GLP-1 zusätzlich zentral den Appetit hemmt. Tirzepatid greift gleichzeitig an GLP-1 und GIP an. Retatrutid fügt den Glukagonrezeptor hinzu, was neben dem Appetit auch den Energieverbrauch betrifft.

Der Kernunterschied liegt im Angriffspunkt. Der Amylinweg steuert vor allem die Sättigung, ohne die vollständige Inkretinkaskade in Gang zu setzen. In den bisher veröffentlichten Studien fallen die berichteten Magen-Darm-Beschwerden beim Amylinweg entsprechend geringer aus als bei den stärksten Inkretinkombinationen.

Die vier Substanzen in einer Tabelle

SubstanzWegRezeptorenAm weitesten fortgeschrittene öffentliche DatenBerichtete Gewichtsveränderung
CagrilintidAmylinAmylin- und CalcitoninrezeptorenPhase 2, 26 Wochen, 2,4 mg (The Lancet, 2021)minus 10,8 Prozent, Placebo minus 3,0 Prozent
Eloralintid (LY3841136)Amylin, selektivAmylinrezeptorPhase 2, 48 Wochen, mehrere Arme (November 2025)minus 9,5 bis minus 20,1 Prozent, Placebo minus 0,4 Prozent
TirzepatidInkretin, dualGLP-1 und GIPPhase 3 SURMOUNT-1, 72 Wochen (NEJM, 2022)minus 16,0 bis minus 22,5 Prozent, Placebo minus 2,4 Prozent
RetatrutidInkretin, dreifachGLP-1, GIP und GlukagonPhase 3 TRIUMPH-4, 68 Wochen (Dezember 2025)minus 26,4 bis minus 28,7 Prozent, Placebo minus 2,1 Prozent

Diese Zahlen stammen aus verschiedenen Studien mit unterschiedlichen Laufzeiten, Populationen und Endpunkten. Sie sind nicht eins zu eins vergleichbar. Die Tabelle zeigt, was je Substanz öffentlich berichtet wurde, nicht das Ergebnis einer direkten Vergleichsstudie.

Cagrilintid vs Tirzepatid

Diese beiden werden am häufigsten einander gegenübergestellt, weil sie beide den Schritt über den klassischen Mono-Agonisten hinaus markieren. Der Vergleich ist nur so lange schief, wie man die Studiendauer außer Acht lässt. Cagrilintid wurde als einzelne Substanz über 26 Wochen untersucht, Tirzepatid über 72 Wochen. Ein großer Teil des Unterschieds in der berichteten Gewichtsveränderung ist Laufzeit, kein Mechanismus.

Wichtiger ist, dass Cagrilintid inzwischen kaum noch als einzelne Substanz untersucht wird. Das Entwicklungsprogramm verlagerte sich auf die feste Kombination mit Semaglutid. In dieser Kombination wurde über 68 Wochen eine durchschnittliche Gewichtsveränderung von minus 22,7 Prozent berichtet, vergleichbar mit dem höchsten Tirzepatid-Arm, aber über zwei Mechanismen statt über einen erreicht.

Für die Laborforschung bedeutet das einen praktischen Unterschied. Cagrilintid kommt vor allem als Amylinkomponente innerhalb einer Kombination oder eines Blends vor, Tirzepatid nahezu immer als eigenständiger dualer Agonist.

Eloralintid vs Retatrutid

Das ist der schärfste Kontrast im Vergleich: ein selektiver Amylinrezeptor-Agonist gegenüber einem dreifachen Inkretin-Agonisten. Eloralintid kam in der Phase-2-Studie über 48 Wochen auf maximal minus 20,1 Prozent. Retatrutid kam in der Phase-3-Studie TRIUMPH-4 über 68 Wochen bei der höchsten Dosierung auf minus 28,7 Prozent.

Die Kehrseite steht in den Sicherheitsdaten. Retatrutid zeigte im höchsten Arm bei gut vier von zehn Teilnehmenden Übelkeit und knapp einer von fünf brach wegen Nebenwirkungen ab. Bei Eloralintid berichtete der Hersteller, dass die Inzidenz von Magen-Darm-Beschwerden und Müdigkeit bei den beiden niedrigsten Dosierungen auf Placeboniveau lag und dass ein langsamerer Aufbau die Inzidenz weiter senkte.

Die Frage ist also nicht, welche Substanz stärker ist. Die Frage ist, wie viel Verträglichkeit für wie viel Wirkung aufgegeben wird, und genau das ist die Achse, auf der sich diese beiden Klassen unterscheiden.

Verträglichkeit: wo der Unterschied liegt

StudienarmÜbelkeitErbrechenAbbruch wegen Nebenwirkungen
Tirzepatid 15 mg (SURMOUNT-1)31,0 Prozent12,2 Prozent6,2 Prozent
Placebo (SURMOUNT-1)9,5 Prozent1,7 Prozent2,6 Prozent
Retatrutid 9 mg (TRIUMPH-4)38,1 Prozent20,4 Prozent12,2 Prozent
Retatrutid 12 mg (TRIUMPH-4)43,2 Prozent20,9 Prozent18,2 Prozent
Placebo (TRIUMPH-4)10,7 Prozent0,0 Prozent4,0 Prozent

Für Eloralintid sind die Prozentwerte je Dosierung noch nicht in derselben Form veröffentlicht. Der Hersteller berichtete Magen-Darm-Beschwerden und Müdigkeit als häufigste Nebenwirkungen, mit einer Inzidenz auf Placeboniveau bei den beiden niedrigsten Dosierungen. Für Cagrilintid als einzelne Substanz gilt derselbe Vorbehalt: Die Phase-2-Publikation verwendet eine andere Berichtsform als die oben genannten Phase-3-Programme.

Warum die beiden Wege kombiniert werden

Die interessanteste Entwicklung ist nicht, dass die Klassen konkurrieren, sondern dass sie gestapelt werden. CagriSema kombiniert Cagrilintid mit Semaglutid in einem festen Verhältnis und berichtete in REDEFINE-1 über 68 Wochen eine durchschnittliche Gewichtsveränderung von minus 22,7 Prozent.

Novo Nordisk untersucht daneben Amycretin, ein Molekül, das Amylin- und GLP-1-Aktivität in einer einzigen Substanz vereint. Zealand Pharma und Roche untersuchen Petrelintid, ein langwirksames Amylinanalogon, das in der Phase-2-Studie ZUPREME-1 über 42 Wochen getestet wurde und für das Phase 3 in der zweiten Hälfte 2026 geplant ist. Roche will Petrelintid auch mit CT-388 kombinieren, einem dualen GLP-1- und GIP-Agonisten.

Der zugrunde liegende Gedanke ist stets derselbe. Der Inkretinweg liefert die größte Gewichtsveränderung, aber auch die meisten Magen-Darm-Beschwerden. Der Amylinweg liefert Sättigung mit einem günstigeren Nebenwirkungsprofil. Durch die Kombination beider hoffen Forschende, Wirkung und Verträglichkeit voneinander zu entkoppeln.

Was das für die Laborforschung bedeutet

Alle vier Substanzen in diesem Vergleich sind lyophilisierte Peptide, die vor der Verwendung im Labor rekonstituiert werden. Da die Klassen unterschiedliche Molekülmassen haben und in der Literatur in unterschiedlichen Einheiten beschrieben werden, ist es wichtig, je Substanz festzuhalten, welche Konzentration nach der Rekonstitution im Vial vorliegt.

Bei Kombinationen und Blends kommt ein Rechenschritt hinzu. Ein Vial mit mehreren Komponenten liefert je Komponente eine andere Menge, als das Gesamtgewicht vermuten lässt. Die Rekonstitutionsanleitung von Peplife enthält dafür einen Rechner mit einem Blendmodus, der je Bestandteil ausrechnet, wie viel Milligramm in einem gegebenen Volumen enthalten sind.

Bei neueren Substanzen wie Eloralintid ist die Identitätsprüfung wichtiger als bei etablierten Peptiden. Fordern Sie je Charge ein Analysenzertifikat mit HPLC-Reinheit und Massenspektrometrie an und prüfen Sie, ob das angegebene Molekulargewicht mit der veröffentlichten Struktur übereinstimmt.

Interesse an Eloralintid, Petrelintid oder Amycretin?

Diese Substanzen gehören nicht zu unserem Standardsortiment. Eine Lieferung ist auf Anfrage dennoch möglich, abhängig von der Verfügbarkeit und von der Identitätsprüfung der Charge. Teilen Sie uns kurz mit, was Ihre Forschung benötigt, dann melden wir uns mit dem, was machbar ist.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem Amylinanalogon und einem GLP-1-Agonisten?

Ein Amylinanalogon ahmt das Hormon Amylin nach und wirkt über den Amylinrezeptor, mit Sättigung über den Hirnstamm als wichtigstem Weg. Ein GLP-1-Agonist ahmt ein Darmhormon nach und wirkt über den GLP-1-Rezeptor, mit Appetithemmung und glukoseabhängiger Insulinausschüttung. Es sind zwei verschiedene Hormonsysteme, die in der Forschung auf dasselbe Ergebnis hin gesteuert werden.

Ist Cagrilintid dasselbe wie CagriSema?

Nein. Cagrilintid ist das einzelne Amylinanalogon. CagriSema ist die feste Kombination von Cagrilintid mit Semaglutid. Die berichteten Ergebnisse beider unterscheiden sich deutlich, weil CagriSema zwei Mechanismen kombiniert und über einen längeren Zeitraum untersucht wurde.

Warum schneidet Retatrutid in den Studien besser ab als Eloralintid?

Retatrutid greift an drei Rezeptoren gleichzeitig an, darunter am Glukagonrezeptor, der den Energieverbrauch beeinflusst. Zudem lief die Phase-3-Studie von Retatrutid 68 Wochen gegenüber 48 Wochen bei der Phase-2-Studie von Eloralintid. Beide Faktoren tragen zum Unterschied im berichteten Ergebnis bei.

Welche Substanz verursacht die wenigsten Magen-Darm-Beschwerden?

Auf Basis der jetzt verfügbaren Berichte liegt der Amylinweg günstiger als die stärksten Inkretinkombinationen. Bei den beiden niedrigsten Eloralintid-Dosierungen lag die Inzidenz von Magen-Darm-Beschwerden auf Placeboniveau, während Retatrutid im höchsten Arm bei gut vier von zehn Teilnehmenden Übelkeit zeigte. Eine direkte Vergleichsstudie zwischen diesen Substanzen ist nicht veröffentlicht.

Können Amylin- und Inkretinpeptide in einem Blend enthalten sein?

In der klinischen Forschung werden sie tatsächlich kombiniert, wie bei CagriSema. In der Laborforschung bestimmt das Forschungsprotokoll, ob Substanzen getrennt oder gemeinsam gelöst werden. Peplife gibt dazu keine Protokoll- oder Dosierungsempfehlung und liefert ausschließlich als Research Use Only.

Sind diese Substanzen zugelassen?

Von den vier Substanzen in diesem Vergleich ist nur Tirzepatid als Arzneimittel zugelassen. Cagrilintid, Eloralintid und Retatrutid sind Forschungssubstanzen ohne Marktzulassung zur Gewichtskontrolle. Peplife liefert sie ausschließlich als Research Use Only für die Laborforschung, nicht zur Anwendung bei Menschen oder Tieren.

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Quellen

The Lancet — Eloralintide, a selective amylin receptor agonist, Phase 2 · Eli Lilly — Pressemitteilung Phase-2-Ergebnisse Eloralintid, 6. November 2025 · Eli Lilly — TRIUMPH-4 Phase-3-Ergebnisse Retatrutid, 11. Dezember 2025 · Eli Lilly — SURMOUNT-1 veröffentlicht im NEJM · NEJM — Tirzepatide Once Weekly for the Treatment of Obesity · The Lancet — Once-weekly cagrilintide for weight management, Phase 2 · Novo Nordisk — REDEFINE-1 CagriSema, veröffentlicht im NEJM · Zealand Pharma — Pipeline Petrelintid

Haftungsausschluss

Dieser Artikel bespricht wissenschaftliche Forschung und dient ausschließlich der Information. Die genannten Substanzen werden von Peplife ausschließlich als Research Use Only (RUO) für die Laborforschung geliefert. Nichts hierin ist medizinische, diagnostische oder Dosierungsberatung. Genannte Arzneimittel werden nur zur Besprechung veröffentlichter Forschung angeführt.

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