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Eloralintid (LY3841136) und die Amylin-Agonisten: Forschungsstand 2026

✦ Kurz gesagt
Eloralintid (LY3841136) ist ein selektiver Amylinrezeptor-Agonist von Eli Lilly. Was die Phase-2-Studie zeigte und wie es sich zu Cagrilintid verhält.
Schema: Amylin wird zusammen mit Insulin ausgeschüttet, bindet an den Amylinrezeptor und hemmt über die Area postrema die NahrungsaufnahmeBetazelleAmylin + InsulinAmylinrezeptorCalcitoninrezeptor + RAMPArea postremaHirnstammSättigunglangsamere MagenentleerungVereinfachtes Schema des Amylin-Signalwegs. Research Use Only.

Kurz gefasst · RUO

  • Eloralintid ist ein selektiver Amylinrezeptor-Agonist von Eli Lilly mit dem Forschungscode LY3841136, konzipiert für die Anwendung einmal wöchentlich.
  • In einer Phase-2-Studie über 48 Wochen mit 263 Erwachsenen mit Adipositas wurde bei der höchsten Dosierung eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von 20,1 Prozent berichtet, gegenüber 0,4 Prozent in der Placebogruppe.
  • Amylin wirkt über einen anderen Signalweg als die Inkretine: nicht über den GLP-1-Rezeptor, sondern über den Calcitoninrezeptor in Kombination mit einem RAMP-Protein.
  • Die gesamte Klasse befindet sich in der Entwicklung. Eloralintid, Cagrilintid, Petrelintid und Amycretin haben weltweit keine Zulassung.
  • Peplife liefert Forschungspeptide ausschließlich als Research Use Only für die Laborforschung. Dieser Artikel bespricht veröffentlichte Forschung und stellt keine medizinische Beratung dar.

Was Amylin ist und warum es neben GLP-1 steht

Amylin ist ein Hormon aus 37 Aminosäuren, das die Betazellen der Bauchspeicheldrüse zusammen mit Insulin ausschütten, in etwa demselben Verhältnis und zum selben Zeitpunkt. Während Insulin die Aufnahme von Glukose steuert, wirkt Amylin auf die Geschwindigkeit, mit der Nahrung den Magen-Darm-Trakt passiert, und auf die Signale, die das Ende einer Mahlzeit markieren.

Das Besondere liegt im Rezeptor. Amylin besitzt keinen eigenen Rezeptor mit eigenem Gen. Der Amylinrezeptor entsteht erst, wenn sich der Calcitoninrezeptor mit einem receptor-activity-modifying protein verbindet, kurz RAMP. Je nachdem, welches RAMP-Protein beteiligt ist, entstehen die Subtypen, die in der Literatur AMY1, AMY2 und AMY3 heißen. Das erklärt, warum die Pharmakologie dieser Substanzen schwerer zu charakterisieren ist als die eines klassischen Rezeptoragonisten und warum Selektivität innerhalb dieser Klasse ein eigenes Forschungsthema ist.

Der wichtigste Angriffspunkt liegt in der Area postrema, einem Bereich im Hirnstamm, der außerhalb der Blut-Hirn-Schranke liegt und daher unmittelbar auf zirkulierende Signale reagieren kann. Untersuchungen zeigen, dass dort Komponenten des Amylinrezeptors in denselben Neuronen vorkommen wie der Leptinrezeptor. Daraus leitet sich die häufig zitierte Hypothese ab, dass Amylin die Empfindlichkeit für Leptin teilweise wiederherstellt. Diese Hypothese ist präklinisch untermauert und beim Menschen nicht belegt.

Für die Forschung ist vor allem relevant, dass dies ein anderer Signalweg ist als der Inkretinweg. GLP-1 und GIP wirken über ihre eigenen Rezeptoren, Amylin nicht. Zwei unabhängige Wege, die beide an der Nahrungsaufnahme ansetzen, machen Kombinationsforschung attraktiv, und genau dorthin bewegt sich das Feld derzeit.

Eloralintid: was die Phase-2-Studie zeigte

Eli Lilly berichtete am 6. November 2025 über die Ergebnisse einer Phase-2-Studie mit Eloralintid. Es handelte sich um eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie über 48 Wochen. Randomisiert wurden 263 Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 49 Jahren, einem mittleren Ausgangsgewicht von 109,1 Kilogramm und einem mittleren BMI von 39,1. Die Ergebnisse wurden auf der ObesityWeek 2025 vorgestellt und in The Lancet veröffentlicht.

Die Studie umfasste sechs aktive Arme: vier feste Dosierungen und zwei Titrationsschemata. Die berichtete mittlere Gewichtsveränderung nach 48 Wochen steht in der Tabelle unten.

StudienarmGewichtsveränderungIn Kilogramm
Eloralintid 1 mgminus 9,5 Prozentminus 10,2 kg
Eloralintid 3 mgminus 12,4 Prozentminus 13,3 kg
Eloralintid 6 mgminus 17,6 Prozentminus 18,7 kg
Eloralintid 9 mgminus 20,1 Prozentminus 21,3 kg
Steigerung 6 auf 9 mgminus 19,9 Prozentminus 21,0 kg
Steigerung 3 auf 6 auf 9 mgminus 16,4 Prozentminus 17,8 kg
Placebominus 0,4 Prozentminus 0,2 kg

Zwei Dinge fallen auf. Das Erste ist die Dosis-Wirkungs-Beziehung, die über die vier festen Dosierungen sauber ansteigt, ohne Plateau am oberen Ende. Das Zweite ist das Nebenwirkungsprofil. Am häufigsten gemeldet wurden Übelkeit, andere leichte bis mittelschwere Magen-Darm-Beschwerden und Müdigkeit, und diese traten häufiger in den höchsten Dosisarmen auf. In den Armen mit 1 und 3 Milligramm lag die Meldehäufigkeit nahe an der von Placebo. Das ist der Grund, warum Titrationsschemata in diesem Feld so viel Aufmerksamkeit bekommen.

Lilly hat Ende 2025 mit Phase-3-Studien zu Eloralintid als Monotherapie begonnen und untersucht daneben die Kombination mit Tirzepatid. Letzteres ist inhaltlich am interessantesten, weil es den Amylinweg und den Inkretinweg in einer einzigen Fragestellung zusammenführt.

Der Rest der Klasse: Cagrilintid, Petrelintid und Amycretin

Eloralintid steht nicht allein. Die Amylin-Klasse hat sich in kurzer Zeit von einer Randerscheinung zu einem der am dichtesten besetzten Gebiete der Stoffwechselforschung entwickelt. Die vier Programme, auf die es derzeit ankommt, stehen unten nebeneinander.

SubstanzWirkprofilForschungsstand
Eloralintidselektiver Amylinrezeptor-AgonistPhase 3 Ende 2025 gestartet, dazu Kombinationsforschung mit Tirzepatid
Cagrilintidlangwirksames Amylin-Analogon, untersucht in Kombination mit SemaglutidPhase 3 im REDEFINE-Programm abgeschlossen, Zulassungsantrag im Dezember 2025 bei der FDA eingereicht
Petrelintidlangwirksames Amylin-Analogonpositive Phase 2 im März 2026, Phase 3 für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen
Amycretinein einzelnes Molekül, das sowohl den GLP-1-Rezeptor als auch den Amylinrezeptor ansprichtPhase 2 abgeschlossen, Phase 3 für 2026 angekündigt

Cagrilintid ist am weitesten fortgeschritten, allerdings als Bestandteil einer Kombination. In der REDEFINE-1-Studie wurde nach 68 Wochen eine Gewichtsabnahme von 22,7 Prozent gegenüber 2,3 Prozent unter Placebo berichtet. In REDEFINE 2, bei Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes, waren es 15,7 Prozent gegenüber 3,1 Prozent. Im Februar 2026 folgte ein Ergebnis, das die Nuance gut veranschaulicht. In REDEFINE 4 wurden 23 Prozent Gewichtsabnahme gemessen. Das vorab festgelegte Ziel, die Nichtunterlegenheit gegenüber Tirzepatid 15 Milligramm nachzuweisen, wurde jedoch nicht erreicht. Ein großer Effekt ist nicht automatisch ein besserer Effekt als die bestehende Alternative.

Petrelintid wird von Zealand Pharma entwickelt, seit März 2025 gemeinsam mit Roche. Die Phase-2-Studie ZUPREME-1 lief 42 Wochen bei Teilnehmenden mit Adipositas ohne Diabetes; das Ergebnis wurde am 5. März 2026 als positiv berichtet. ZUPREME-2, bei Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes, läuft 28 Wochen und liefert später im Jahr 2026 Ergebnisse. Daneben wird an einer festen Kombination mit CT-388 gearbeitet, einem GLP-1- und GIP-Agonisten von Roche.

Amycretin von Novo Nordisk verfolgt eine andere Strategie: ein einzelnes Molekül, das beide Wege gleichzeitig anspricht. In einer Phase-2-Studie bei Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes, veröffentlicht am 25. November 2025, wurde über maximal 36 Wochen die Gewichtsabnahme gemessen. Bei der injizierbaren Form waren es bis zu 14,5 Prozent gegenüber 2,6 Prozent unter Placebo. Bei der oralen Form waren es bis zu 10,1 Prozent gegenüber 2,5 Prozent. Die HbA1c-Senkung betrug bis zu 1,8 Prozentpunkte bei der injizierbaren Form.

Einordnung und Grenzen

Die Zahlen oben stammen aus verschiedenen Studien mit unterschiedlichen Teilnehmenden, unterschiedlichen Laufzeiten und unterschiedlichen Messmethoden. Sie stehen nebeneinander, um den Entwicklungsstand zu skizzieren, nicht um eine Rangfolge nahezulegen. Ein direkter Vergleich ist nur innerhalb einer Studie gültig, die die Substanzen gegeneinander geprüft hat, und solche Untersuchungen gibt es in dieser Klasse bislang kaum.

Phase-2-Studien sind zudem darauf ausgelegt, Dosierung und Sicherheitssignale zu erkunden, nicht einen endgültigen Effekt festzustellen. Effektgrößen aus Phase 2 fallen in Phase 3 regelmäßig niedriger aus, weil die Studienpopulation breiter wird und die Abbruchmuster anders liegen. Das Ergebnis von REDEFINE 4 zeigt, dass auch ein gutes Phase-3-Resultat das vorab festgelegte Ziel verfehlen kann.

Was in den veröffentlichten Daten zu dieser Klasse noch weitgehend fehlt, sind Langzeitinformationen. Unbekannt bleiben die Folgen des Absetzens, der Verlauf des Verhältnisses zwischen Fettmasse und fettfreier Masse und die Effekte auf harte Endpunkte. Für Cagrilintid läuft dazu eine kardiovaskuläre Endpunktstudie mit rund 7000 Teilnehmenden, die noch nicht abgeschlossen ist.

Regulierung: wo diese Substanzen stehen

Keine der vier besprochenen Substanzen besitzt eine Zulassung, weder in der Europäischen Union noch außerhalb. Alle vier befinden sich in der klinischen Forschung. Für Cagrilintid wurde im Dezember 2025 ein Antrag bei der US-amerikanischen FDA eingereicht, als Teil der Kombination mit Semaglutid; dieser Antrag ist zum Zeitpunkt des Schreibens noch in Bearbeitung.

Die Klasse selbst ist nicht neu. Pramlintid, das erste Amylin-Analogon, wurde 2005 in den Vereinigten Staaten als Ergänzung zum Mahlzeiteninsulin zugelassen und musste dreimal täglich verabreicht werden. In der Europäischen Union wurde dieser Wirkstoff nie registriert. Die heutige Generation unterscheidet sich vor allem in der Wirkdauer: Verabreichung einmal pro Woche statt zu jeder Mahlzeit, was das Forschungsprofil wesentlich verändert.

Da für diese Substanzen nirgendwo eine Zulassung für den therapeutischen Gebrauch besteht, fallen sie unter die Restkategorie S0 der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur. Das ist für Forschungskontexte relevant zu wissen, unabhängig davon, ob Sport im Spiel ist.

Interesse an Eloralintid, Petrelintid oder Amycretin?

Diese Substanzen gehören nicht zu unserem Standardsortiment. Eine Lieferung ist auf Anfrage dennoch möglich, abhängig von der Verfügbarkeit und von der Identitätsprüfung der Charge. Teilen Sie uns kurz mit, was Ihre Forschung benötigt, dann melden wir uns mit dem, was machbar ist.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist Eloralintid?

Eloralintid, auch mit dem Forschungscode LY3841136 bezeichnet, ist ein selektiver Amylinrezeptor-Agonist, der von Eli Lilly untersucht wird. Es handelt sich um ein synthetisches Peptid, das für eine einmal wöchentliche Verabreichung entwickelt wurde und in der klinischen Forschung bei Erwachsenen mit Adipositas untersucht wird.

Worin unterscheidet sich Eloralintid von Semaglutid oder Tirzepatid?

Semaglutid wirkt über den GLP-1-Rezeptor und Tirzepatid sowohl über den GLP-1- als auch über den GIP-Rezeptor. Eloralintid spricht keinen von beiden an und wirkt über den Amylinrezeptor, der aus dem Calcitoninrezeptor in Kombination mit einem RAMP-Protein besteht. Es handelt sich also um einen anderen biologischen Weg, und genau deshalb wird die Kombination beider Wege untersucht.

Ist Eloralintid zugelassen?

Nein. Eloralintid besitzt weltweit keine Zulassung. Der Wirkstoff befindet sich in Phase 3 der klinischen Forschung. Dasselbe gilt für Cagrilintid, Petrelintid und Amycretin.

Was bedeutet selektiv in selektiver Amylinrezeptor-Agonist?

Amylin und Calcitonin teilen sich Rezeptorbestandteile, weshalb ein Wirkstoff, der am Amylinrezeptor angreift, auch calcitoninähnliche Effekte auslösen kann. Selektivität bedeutet, dass das Molekül so entworfen wurde, dass es vor allem den Amylinrezeptor anspricht und den Calcitoninrezeptor möglichst wenig beeinflusst. Inwieweit das in der Praxis gelingt, ist eine der Fragen, die die laufende Forschung beantworten muss.

Liefert Peplife Eloralintid?

Peplife liefert Forschungspeptide ausschließlich als Research Use Only für den Einsatz im Labor. Welche Substanzen jeweils verfügbar sind, steht im Webshop selbst. Forschungspeptide sind nicht für die Anwendung bei Menschen oder Tieren bestimmt.

Quellen

Eli Lilly and Company — Phase-2-Ergebnisse Eloralintid, Pressemitteilung 6. November 2025 · The Lancet — Eloralintide, a selective amylin receptor agonist for the treatment of obesity, 48-week phase 2 trial · Zealand Pharma — Pipeline Petrelintid, ZUPREME-1 und ZUPREME-2 · pharmaphorum — Phase-2-Daten Amycretin und Ankündigung Phase 3, 25. November 2025 · Drugs.com — Zulassungsstatus und REDEFINE-Ergebnisse Cagrilintid mit Semaglutid · Journal of Biological Chemistry — Calcitonin- und Amylinrezeptor, Bindungsmodi und allosterische Modulation durch RAMP-Proteine · PubMed — Amylinrezeptorkomponenten und der Leptinrezeptor in Neuronen der Area postrema

Haftungsausschluss

Dieser Artikel bespricht wissenschaftliche Forschung und dient ausschließlich der Information. Die genannten Substanzen werden von Peplife ausschließlich als Research Use Only (RUO) für die Laborforschung geliefert. Nichts hierin ist medizinische, diagnostische oder Dosierungsberatung. Genannte Arzneimittel werden nur zur Besprechung veröffentlichter Forschung angeführt.

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